Therapie - Entspannung - Prävention Praxis für ganzheitlich orientierte Körpertherapie Michael Weiler Markus v. Andrian
Therapie - Entspannung - Prävention Praxis für  ganzheitlich orientierte Körpertherapie Michael Weiler Markus v. Andrian    

Die Stresstheorie

 

Stress ist ein Begriff, der unangenehm berührt. Als Würze des Lebens dagegen bezeichnete ihn Hans Selye, der Begründer der Stressforschung, wenn er von seiner positiven Ausformung, dem so genannten Eustress sprach. In positiver Form und Dosis ist er nämlich ein Lebenselixier, im Übermaß und permanent erlitten (Distress) dagegen Wurzel vieler gesundheitlicher Übel.

Unter Stress versteht man alle körperlichen und seelischen Belastungen (Stressoren) sowie die Reaktion auf diese Belastungen. Er entsteht nicht einfach nur durch das Auftreten eines Stressors, sondern hängt vor allem auch davon ab, wie der Betroffene damit umgeht und ob er die Situation subjektiv als belastend bewertet.  

Stress in seiner ursprünglichen, also evolutionären Form hatte die Funktion, den Menschen vor Gefahr für Leib und Leben zu schützen. Es handelt sich um einen seit Millionen Jahren verankerten Verteidigungsmechanismus. Bei Gefahr mobilisiert der Körper binnen Sekunden Energiereserven für eine sofortige Muskelleistung. Die Hormone Adrenalin und Cortisol bringen den Körper augenblicklich auf Hochtouren: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Muskeln spannen sich an. Dieses genetisch verankerte Programm stimmt uns auf Kampf oder Flucht ein. Diese Vorgänge werden vom vegetativen (autonomen) Nervensystem gesteuert und unterliegen nicht unserem Willen oder unserem Verstand und das hat seinen guten Grund: Hätte der Steinzeitmensch jedes Mal überlegen und entscheiden müssen, ob er überhaupt kämpfen oder fliehen soll, wäre er auf verlorenem Posten gestanden.

Diese inneren Vorgänge lassen sich also nicht steuern; das galt damals ebenso wie es heute gilt. Geändert haben sich jedoch die Stressauslöser. Zumeist sind es nun psychische Stressoren, die es zu verarbeiten gilt.

 

Zur Bewältigung der heutigen „Bedrohungen“ wie etwa Prüfungen oder zwischenmenschliche Konflikte ist dieses Programm aber völlig ungeeignet, da diese Situationen weder mit Flucht noch mit Kampf zu bewältigen sind. Da auf eine Belastungssituation heute weder körperlicher Kampf noch Flucht folgt, werden die bereitgestellten Energien nicht verbraucht, der körperliche Anspannungszustand bleibt bestehen.

 

Individuelle Wahrnehmung und Bewertung des Stressfaktors

Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf Belastung. Was für den einen anregende Spannung ist, kann für den anderen krank machender Stress sein. Die subjektive Wahrnehmung und die Bewertung der Herausforderung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die Einstufung eines Ereignisses als positiv oder negativ trägt wesentlich dazu bei, ob man dieses als belastend empfindet oder nicht. Ein und dasselbe Ereignis kann sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Während den Einen etwa eine negative Bewertung des Chefs nicht aus der Ruhe bringt, wirft das einen Anderen völlig aus der Bahn.

 

Stressauslöser (Stressoren)

Belastungen können körperlich, geistig sowie psychisch-seelisch verursacht sein. Einschneidende Ereignisse wie Tod eines Angehörigen, eine schwere Erkrankung, Scheidung oder Kündigung sind gravierende Stressoren. Aber auch alltägliche Dinge wie Zeitdruck, Konflikte, Lärm, Streit und übermäßige Sorgen können Stress verursachen.